Selbstverteidigung und ihre Grenzen

Wer angegriffen wird, darf sich wehren.“ – Dies ist zwar grundsätzlich richtig, allerdings gibt es auch hier Rahmenbedingungen. Wer vorschnell reagiert, die Gefahr falsch einschätzt oder während eines Übergriffs überreagiert, kann aus juristischer Sicht Probleme bekommen. So ist es immer ratsam die Ruhe zu bewahren und sich mit den geringsten Mitteln die Erfolg versprechen könnten zur Wehr zu setzen. Sich gegen körperliche Angriffe zur Wehr zu setzen hat also durchaus auch Tücken, die auf für Laien unverständliche Weise aus Opfern plötzlich Täter werden lassen.

Regelung in Deutschland

Was als Selbstverteidigung gilt und ab welchem Punkt aus Selbstverteidigung ein Angriff oder gar noch mehr wird, ist im BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) geregelt. Der Themenbereich findet sich in den Paragrafen 226 bis 231. In Paragraf 229 BGB wird festgelegt, dass Selbstverteidigung im Sinne der Selbsthilfe immer dann erlaubt ist, wenn es nicht möglich ist „obrigkeitliche Hilfe rechtzeitig zu erlangen“ und ohne sofortiges Eingreifen Gefahr besteht. Laut Paragraf 227 gilt, dass „eine durch Notwehr gebotene Handlung nicht widerrechtlich ist“. Sobald jemand rechtswidrig versucht das Eigentum eines anderes zu erlangen, die körperliche Unversehrtheit einer Person oder die sexuelle Selbstbestimmung einer anderen Person zu beschränken, dürft ihr euch theoretisch selbstverteidigen. Doch dies mit der Einschränkung aus Paragraf 230 BGB „Die Selbsthilfe darf nicht weiter gehen, als zur Abwendung der Gefahr erforderlich ist.“

Zielführendes Handeln ist Pflicht

Wer auf eine Ohrfeige hin den Angreifer mit einem Messer verletzt oder gar eine Schusswaffe heraus holt, der ist eindeutig zu weit gegangen. Dieses Beispiel sieht auch noch jeder ein. Doch leider kommt es auch immer wieder zu Anklagen, die weit weniger eindeutig sind. Entsprechend ist der wichtigste Punkt bei einem Angriff, Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Nach Möglichkeit solltet ihr andere Personen auf die Situation aufmerksam machen und dies nicht durch schreien, sondern mit einer klaren Ansage, dass ihr Hilfe benötigt. Natürlich solltet ihr euch wehren und dies dürft ihr bei einem Angriff auch. Hilfreich ist es, wenn ihr eine Technik zur Selbstverteidigung beherrscht. Ist dies nicht der Fall, hilft aber häufig auch schon der Tritt zwischen die Beine oder der Schlag auf die Nase. Wichtig ist, dass ihr euch sobald es möglich ist aus der Situation entfernt. Natürlich dürft ihr in der Situation auch Hilfsmittel wie Pfefferspray oder Elektroschocker nutzen, wenn ihr diese griffbereit habt. Selbst auf ein Messer könntet ihr zurückgreifen, wenn gerade eines in erreichbarer Nähe ist. Wichtig ist es jedoch sich klar, über die waffenrechtlichen Bestimmungen in Deutschland zu sein. Entsprechend dürft ihr keine Waffen mit führen. Selbst Pfefferspray darf nur für die Tierabwehr mitgeführt werden, werdet ihr jedoch angegriffen, dann ist der Einsatz gegenüber dem Angreifer okay. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass sich jeder wehren sollte, der angegriffen wird, jedoch solltet ihr euch davor hüten überzureagieren und zu überzogenen Mitteln zu greifen.